Sommerferien für die Kinder aus dem Kinderheim Nr. 4 in Pawlowsk

 

 

Dank unserer Unterstützung konnten die Mitarbeiter der russischen Kooperation der Wohltätigskeitstiftungen „Perspektivy“ Sommerferien für Kinder mit schweren mehrfachen Behinderungen organisieren. Diese Kinder, die im Kinderheim Nr. 4 in Pawlowsk leben, haben sonst fast überhaupt keine Möglichkeit aus dem Kinderheim rauszukommen und freie Zeit in der Natur zu erleben.

Das Ziel des Projekts war die Durchführung eines alternativen Ferienangebots für sie. 

Um dieses Ziel zu erreichen, handelten die Mitarbeiter der Stiftung Perspektivy in drei Richtungen:

  • Sie schafften für Kinder solche Verhältnisse, die den familiären möglichst nahe und für ihre Entwicklung am günstigsten waren.

Die Ferien verliefen in Form von einem Aufenthalt auf einer Datsche – sie meiteten ein Haus mit einem Grundstück im Gebiet Leningrad an. Kinder befanden sich dort vom 9. bis zum 19. Juli. Insgesamt nahmen 6 Heimkinder im Alter zwischen 14 und 17 am Projekt teil. Ursprünglich sollten 8 Jugendliche teilnehmen, zwei erkrankten aber vor der Abreise und die Ärzte genehmigten ihre Beteiligung nicht.

Ein tägliches Förderangebot um 11 Uhr und Freizeitaktivitäten nach der Zwischenmahlzeit und vor dem Schlafengehen wurden eingeplant. Den Tagesablauf gestalteten sie dem möglichst nah, den die Kinder aus dem Kinderheim kennen, um ihnen keinen zusätzlichen Stress zu verschaffen, zugleich hatten sie aber viel mehr Freiheit in der Auswahl der möglichen Beschäftigungen.

Diese Zeit und der Ort waren mit Freiheit gefüllt: du kannst in der Stille schlafen, du kannst neue Geschmäcke ausprobieren, du kannst im Wasser planschen, das Lagerfeuer beobachten, in einem Trecker übers Feld fahren, Fußball spielen, kuscheln, in einer Hängematte schaukeln, einfach du selbst sein. Du wirst nachher ins Kinderheim zurückkehren müssen, hier erlebst du aber mehr als nur geregelte Tagesabläufe. Für einige war dies die erste und die einzige Möglichkeit die Heimwände nicht wegen eines Krankheitsaufenthaltes zu verlassen, schreibt Projektkoordinatorin in ihrem Bericht.

Den Speiseplan erstellten sie aus den den Kindern bekannten Nahrungsmitteln mit Berücksichtigung der individuellen Vorzüge und Ernährungsbesonderheiten.

Es war sehr wichtig, die Verhältnisse zu schaffen, die den familiären möglichst nahe wären. Zu einem Jungen kamen seine Großmutter und der Vater, somit sahen seine Ferien fast wie eine traditionelle Sommererholung mit Eltern auf der Datsche aus.

 

  • Um Lebenserfahrungen und das Spektrum von taktilen und Geschmackseindrücken der Kinder zu erweitern, wurden bestimmte Aktivitäten eingeplant.

Dieses Jahr hatten sie mit dem Wetter großes Glück. Es war sehr sonnig und heiß. Die Kinder verbrachten fast die ganze Zeit in der frischen Luft, auf Matten und Sitzsäcken im Schatten der Bäume. An einigen Tagen verlegten sie sogar den Mittagsschlaf und Mahlzeiten nach draußen.

Sie bastelten viel, spielten Fußball, musizierten, gingen zu einer nahe gelegenen ehemaligen Schottergrube, jetzt einem Teich, oder auf das Feld spazieren, machten Lagerfeuer, schauten ihnen Trickfilme an und bespritzten einander mit Wasser.

So beschreibt eine der Begleiterinnen die Ferien eines von ihr betreuten Kindes: „… in diesen sonnigen Ferien verlief alles vor einem positiven Hintergrund, Goscha reagierte nur zweimal nervös. Beim ersten Mal weil er den Lautsprecher nicht greifen durfte, beim zweiten Mal ließ sich der Anlass nicht herausfinden. Im Allgemeinen mag Goscha am meisten Bus fahren und benimmt sich dann immer ideal – schaut zum Fenster hinaus und sitzt ruhig. Spaziergänge zur Schottergrube oder auf dem Feld kamen bei ihm auch gut an. Sehr gern badete er in der Badewanne, planschte im Wasser – und wenn er noch einen Lautsprecher mit Musik in die Hände bekam (danke Elena für die Voraussicht), fühlte er sich wie ein DJ und war absolut glücklich.

  • Erweiterung der kommunikativen Erfahrungen der Kinder

Mit den Kindern waren 7 Begleitpersonen (u.a. ein Freiwilliger), zwei Köchinnen und eine Projektkoordinatorin auf der Datsche. Außerdem empfingen sie Gäste: neben der Großmutter und dem Vater eines Jungen, von dem wir oben erzählten, kamen Kollegen aus dem Verein zum Besuch. Solche Besuche lieferten immer neue positive Emotionen und Eindrücke.

Die Begegnungen der Kinder miteinander waren nicht weniger wichtig, als die Kommunikation mit begleitenden Erwachsenen und Gästen. Im Kinderheim leben diese Kinder in verschiedenen WGs und haben gewöhnlich keine Möglichkeit, regelmäßig Kontakt aufzunehmen.

Ein enges Miteinander mit der Begleitperson war auch eine wichtige kommunikative Erfahrung, und das nicht nur für Kinder sondern auch für Erwachsene.

 

 

 Die Paul Nikolai Ehlers-Stiftung freut sich, dass das Sommercamp so erfolgreich war. 6 Kinder machten 10-tägige Ferien auf einer Datsche, erweiterten ihre sensorischen und kommunikativen Erfahrungen, erhielten einen einen neuen Entwicklungsimpuls und sammelten tolle Erinnerungen für das ganze nächste Jahr.

Comments are closed.