Soeben haben wir den Bericht des diesjährigen Sommercamps für die Kinder aus „Kinderheim Nr. 4“ erhalten. Das Projekt ermöglicht den zum Teil mehrfach schwer behinderten Kindern, ihre Sommerferien gemeinsam in der Natur zu verbringen. Dadurch können sie ihrem oftmals so tristen Alltag entfliehen, ihre Sorgen vergessen und „etwas leichter leben“.

Wir unterstützen das Projekt der Organisation Perspektivy nun schon seit mehreren Jahren immer wieder gerne. Unten finden sie auch einen eigenen Bericht von Perspektivy.

Ziel des Projektes war die Organisation eines Sommerlageraufenthalts für Kinder mit schweren mehrfachen Behinderungen, damit sie sich in familiären und an jedes Kind individuell angepassten Verhältnissen erholten.

Die Ferien verliefen wie auch 2018 in Form von einem Aufenthalt auf einer Datsche – wir mieteten ein Haus mit einem Grundstück in Awkolewo, Gebiet Leningrad, an. Die Kinder befanden sich dort vom 9. bis zum 18. Juli 2019. Insgesamt nahmen 5 Heimkinder im Alter zwischen 14 und 17 am Projekt teil. Zwei Kindern genehmigten die Heimärzte den Aufenthalt auf der Datsche aus gesundheitlichen Gründen leider nicht. Außerdem erkrankte Dascha. Anstatt der Datsche machte sie später Ferien im Betreuten Wohnhaus in Rasdolje, Gebiet Leningrad. Im Ergebnis waren fünf Kinder in Awkolewo und ein Kind in Rasdolje. Der Verein Perspektivy war durch vier begleitende Pädagogen, drei Freiwillige, eine Projektleitung, einen Koch und eine Kochhelferin vertreten.

Um das Projektziel zu erreichen, führten wir folgende Maßnahmen durch:

  1. Gesundheit: Mini-Spiele in der frischen Luft, Einzel- und Gruppenspiele, physiotherapeutische Angebote, Therapiehunde;
  2. Kreative Angebote: Workshops, Malen, musikalische und unterhaltende Veranstaltungen;
  3. Freizeit: Wettbewerbe, Spaziergänge im Freien, gemütliche Abende am Kamin.

Täglich fanden Gruppenangebote statt, nach denen wir unbedingt Spaziergänge zum nahe liegenden See, in den Wald und die Felder unternahmen, Blumen und verschiedene wohlriechende Pflanzen sammelten.

Gruppenangebot mit Anton Wolkow (Erzählung über das Wetter, ein aktives Spiel mit einer Schnur, Wir schauen uns Insekten an) 

Nach dem Mittagsschlaf widmeten wir die Zeit den Spielen im Freien, dem Ballspiel z. B., den individuellen Spielen der Kinder im Garten. Zum Glück war das Wetter fast die ganze Zeit sonnig. So konnten unsere Kinder die Natur besser kennen lernen, sie spielten und verbrachten ganz viel Zeit in der frischen Luft!

Die musikalischen Lieblingsbeschäftigungen waren auch ziemlich spannend. Die Kinder mögen solche Veranstaltungen immer. Die Angebote bestanden aus bestimmten Etappen: zuerst kam eine musikalische Begrüßung, dann Kinderlieder, danach Töne verschiedener Musikinstrumente kennen lernen. Stephanie Kinder, eine Freiwillige, führte diese Angebote durch. Als nicht weniger interessant erwies sich eine Seifenblasenschau. Die Kinder waren glücklich, und diese positive Stimmung behielten sie noch lange. Abends bemühten wir uns, um beim Anschauen von Kinderfilmen eine möglichst gemütliche Atmosphäre am Kamin zu schaffen.

Pädagogin Anna Petrowa: „Sergej ist bereits zum vierten Mal auf dieser Datsche und kennt sich hier gut aus. Ein zehntägiger Aufenthalt auf der Datsche bietet ihm die einzige Möglichkeit, Sommerferien zu machen. Das Kinderheim hält es nicht für möglich, ihm dies zu gewährleisten, weil man ihn für zu schwach und schwierig in der Betreuung hält. 

Diese Ferien waren uns beiden sehr wichtig. Ich wollte, dass er sich in anderen Verhältnissen erholt, ein anderes als im Kinderheim (ganz normales und leckeres) Essen isst. Ich wollte, dass er sich in der Stille ausschläft, draußen bis zum See spazieren geht, auf einer Matte (im Hof) liegt, sich in einer guten Gesellschaft am brennenden Kaminfeuer Trickfilme anschaut, mit den Füßen malt, mit einem Fuß in ein Tamburin schlägt, ewig lange fliegende Seifenblasen betrachtet.

Und ja, das alles hatte er in diesen 10 Tagen.“

Wadim nahm den Kennenlernprozess mit allem Ernst wahr – nicht nur in Farbe sondern auch im Geschmack.

Am Montag kam zu uns eine Pädagogin unseres Programms, Jelisaweta Sacharowa, zu Besuch und führte ein Gruppenangebot in Form von einem Fabelspiel durch. Zuerst begrüßten die Kinder der Reihe nach ein kleines Kätzchen (Spielzeug), danach erforschten sie, was sich für ein Lagerfeuer im Wald eignet, über welches Futter sich ein Pferd freut, danach kuschelten sie sich mit diesem Pferd (auch einem Spielzeug), hörten zu, wie Schellen läuten, angelten mit den Händen nach verschiedenen Gegenständen in einer verdickten Flüssigkeit. Uns mit einer dichten Decke zugedeckt schauten wir, wie Lichter brannten, und stellten uns vor, dass es ein Lagerfeuer war, und machten noch viele verschiedene interessante Dinge.

Um diese Ferien auch für Mitarbeitende und Freiwillige nützlich zu machen, teilten erfahrenere Kollegen mit ihnen ihr Wissen. Michail Bogomolow erzählte uns z. B. über die Krankengymnastik, darüber was das ist, die Entstehungsgeschichte, Grundprinzipien, über die ICP. Solche kleinen Vorträge im Freien waren eine Novität dieser Saison.

Am vorletzten Tag fuhr man uns nach einer alten Tradition der Aufenthalte auf der Datsche in der Gegend um Awkolewo auf einem Traktor herum. Diese Rundfahrt bezeichneten wir scherzhaft als eine Tour zum „Goldnen Awkolewo-Ring“. Es war sehr lustig, die Kinder saugten die neuen Eindrücke beinahe ein.

Nicht weniger interessant verliefen die Ferien bei Dascha Skornjakowa, die acht Tage im Betreuten Wohnprojekt in Rasdolje verbrachte. Dort nahm sie an Morgen- und Abendkreisen teil. Beim Morgenkreis entschied sie mit, was tagsüber gemacht wird, wer wie im Haushalt hilft, was heute gekocht wird. Das war für Dascha sehr neu, weil solche einfachen Sachen wie die Planung einer Tagesspeisekarte im Kinderheim unerreichbar sind. Sie bemühte sich in Haushaltsarbeiten behilflich zu sein, goss Gemüsebeete, hängte die gewaschene Wäsche zum Trocknen aus, half das Geschirr zu spülen. Mit der Freiwilligen Viktoria ging sie viel spazieren.

Beim Abendkreis besprach man die Tagesergebnisse, berichtete darüber, wer was gemacht hatte, äußerte seine Wünsche. Dascha genoss den Aufenthalt in Rasdolje sehr!

Wir danken Paul Ehlers Stiftung aus dem ganzen Herzen für die Möglichkeit, unsere Kinder glücklich zu machen. Dank Ihnen setzten wir ein Projekt um, in dem 6 Kinder im Laufe von 10 Tagen auf einer Datsche Ferien machten, ihre sensorischen und kommunikativen Fähigkeiten erweiterten, ihr kreatives Potenzial weiter entwickelten, ganz viele positive Emotionen erhielten, sich mit Energie aufluden und schöne Eindrücke sammelten, die für das ganze nächste Jahr bei ihnen bleiben.

 

 

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